Berichte zu SoR/SmC-Aktionen

Biparcours Verleihung Januar 2023 | 30 Jahre Solingen Mai/Juni 2023 | Theaterspiel "ÜBERdasLEBEN" November 2023 | Nils Oskamp November/Dezember 2023 | Trialoge Februar 2024 | Projektwoche 2024

Trialoge (Februar 24)

“Als langjährige politische Bildner:innen und Menschen mit palästinensischen und israelischen Wurzeln hoffen wir, dass wir durch unsere Bezüge und Perspektiven den Blick auf Israel und Palästina ein wenig erweitern können. Denn wenn der Krieg uns Erwachsene schon emotional so belegt, wie stark muss er dann junge Menschen belegen, die neben diesem Krieg auch andere existenzielle Krisen dieser Welt zu verarbeiten haben?“ [https://www.xn--israelpalstinavideos-jzb.org/trialoge/ Stand: 18.04.24]

Am 28.02.24 hatten 28 Schüler*innen der 9. und 10. Klassen die Gelegenheit, mit Shai Hoffmann und Nadine Migesel einen so genannten Trialog zu führen.
Shai Hoffmann ist deutschjüdisch mit israelischen Wurzeln und engagiert sich in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Projekten. Er ist einer der Initiatoren des Trialogs, einem multiperspektivischen Gespräch zu der Thematik des Nahostkonfliktes.
Nadine Migesel ist palästinensische Israeli mit arabischen Wurzeln, zudem ist sie Gründerin der Gruppe „Palestinians and Jews for Peace“. 

Anders als im alltäglichen Schulunterricht stand im Mittelpunkt der Trialoge weniger das reine Fachwissen der Schüler*innen, sondern vor allem die Emotionen aller Anwesenden. 
Shai Hoffmann und Nadine Migesel ließen viel Raum, den so genannten Brave Space, für die unterschiedlichen Meinungen, Perspektiven und vor allem Gefühle unserer Schüler*innen, stellten sich den Fragen der Teilnehmenden, ließen die Gruppe an ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben und reicherten auch so das Wissen aller über den Nahostkonflikt an. 

Da im MIttelpunkt der Trialoge die Emotionen, Meinungen und Aussagen der Schüler*innen standen, lassen wir sie am besten selbst zu Wort kommen:

„Ein Dialog für Verständnis: Unsere Erfahrung mit dem Trialog zum Nahostkonflikt

Am 28. März hatten wir an unserer Schule das Privileg, an einem Trialog zum Nahostkonflikt teilzunehmen, der von und Shai Hoffmann und Nadine Migesel moderiert wurde. In einer offenen Atmosphäre kamen rund 30 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Stufe zusammen, um über die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten zu sprechen.
Der Trialog bot eine einzigartige Gelegenheit, um unsere Gedanken und Gefühle zu teilen, während wir neue Perspektiven von Shai Hoffmann mit deutsch-jüdischen und von Nadine Migesel mit deutsch-palästinensischen Wurzeln hörten. Es war eine Chance, unsere eigene Sichtweise zu reflektieren und offen über unsere Emotionen zu sprechen.
Wir haben nicht nur neue Einblicke in die Komplexität des Nahostkonflikts gewonnen, sondern auch gelernt, wie wichtig es ist, zuzuhören und unvoreingenommenen Fragen zu stellen. Durch den Austausch konnten wir ein tieferes Verständnis für die Situation im Nahen Osten entwickeln und sind dankbar für die Möglichkeit, Teil dieses wichtigen Gesprächs zu sein.
Der Trialog war eine bereichernde Erfahrung, die uns gezeigt hat, wie wichtig es ist, den Dialog zu suchen und verschiedene Perspektiven zu würdigen. Wir sind dankbar für die Unterstützung unserer Schule bei dieser Veranstaltung und hoffen, dass solche Gespräche auch in Zukunft stattfinden werden, um Verständnis und Frieden zu fördern.“

„Die Atmosphäre während der Diskussion war sehr angenehm, da Nadine und Shai sie für uns Schüler*innen sehr persönlich gestalteten. Einige Schüler*innen berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen und Berührungspunkten mit dem Krieg, jedoch hatten wir auch die Möglichkeit, der Diskussion zuzuhören, ohne aktiv daran teilzunehmen. Uns gefiel besonders, dass während des ganzen Gespräches die Möglichkeit bestand, den Raum unter Umständen zu verlassen. Zuletzt waren die Erzählungen von Nadine und Shai sehr informativ und interessant, da sie uns in den letzten zehn Minuten die Möglichkeit gaben, ihnen persönliche Fragen zu stellen.“ 

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Nils Oskamp (November/Dezember 23)

In den 1980er Jahren verleugnet ein Mitschüler in der Klasse einer Dortmunder Realschule im Geschichtsunterricht den Holocaust und propagiert offen weitere Nazi-Parolen.
Der damals Jugendliche Nils Oskamp lehnt sich dagegen auf und sagt ihm und seinen Mitschülern klar seine Meinung, wodurch er zur Zielscheibe der örtlichen Neonazis wird. Es beginnt für ihn ein Kampf ums Überleben, der in zwei Mordanschlägen auf ihn endet.

Der heute in Hamburg lebende Illustrator Nils Oskamp, in Dortmund-Dorstfeld aufgewachsen, war am 06.12.2023 zu Besuch am Heisenberg-Gymnasium und präsentierte im PZ den Schüler*innen der neunten und zehnten Klasse seine Graphic Novel „Drei Steine“, in der er die gewaltsamen Angriffe in seiner Jugend durch Neonazis verarbeitet hat. 
Seine Schilderung der Ereignisse wurde dabei durch eindringliche  Zeichnungen und Bilder untermalt, die Einblicke in seinen (Schul-)Alltag in Dortmund-Dorstfeld in den 1980er Jahren gewährten.
Im Rahmen der Lesung ließ der Comic-Künstler auch Raum für Fragen der Schüler*innen und Lehrer*innen. Auf diese Weise gewährte Nils Oskamp seinem Publikum intensiven Einblick in seine Erfahrungen mit rechter Gewalt, und diskutierte mit ihnen über den Umgang mit Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Mit seiner couragierten und mutigen Haltung beeindruckte der Illustrator sowohl Schüler*innen als auch Lehrer*innen sehr, so dass viele am Ende der Veranstaltung noch einmal das Gespräch mit ihm suchten und ihm ihren Respekt und Dank ausdrückten. 

Fünf unserer Schüler*innen hatten am darauffolgenden Tag in der Jugendfreizeitstätte in Eving die Chance, mit Nils Oskamp Plakate für den geplanten Demokratietag in Dortmund-Eving am 19. April 2024 zu gestalten.

Wir freuen uns sehr, dass Nils Oskamp bei uns am Heisenberg-Gymnasium zu Besuch war und unserer Schulgemeinde mit seiner eigenen Geschichte deutlich gezeigt hat, wie wichtig Zivilcourage und das Engagement für Demokratie und Menschenrechte auch heute sind.

Sarah Brähler 

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Theaterspiel "ÜBERdasLEBEN" (November 23)

Freiheit - das ist für Anni, die Protagonistin des Theaterstücks „Über das Leben oder meine Geburtstage mit dem Führer“, in ihrer Kindheit nichts Selbstverständliches. Vielmehr ist es ein Wort, das sie in der damaligen Zeit, 1933 bis 1945, in Deutschland nur flüstern darf.

Das Ensemble der Wittener Theatergruppe „theaterspiel“ präsentierte auf eindringliche und berührende Weise am 14. November 2023 bei uns am Heisenberg-Gymnasium die fiktive Darstellung einer Kindheit und Jugend zur Zeit des Nationalsozialismus. 

Im Mittelpunkt des Theaterstücks, das auf der Grundlage persönlicher Familiengeschichten, historischer Überlieferungen sowie Zeitzeugenberichten entstand, steht das Schicksal von Anni und ihrer Familie, ihrer Freunde und Nachbarn. 
Strukturiert wird die Geschichte durch die Geburtstage der Protagonistin am 20. April - ebenfalls Geburtstag Adolf Hitlers.
Das Stück beginnt mit Annis zunächst ausgelassener Geburtstagsfeier im Kreise ihrer Eltern, des jüdischen Nachbarn Herrn Liebmann sowie der Nachbarsfamilie ihres Schulfreundes Hansi. Zu diesem Zeitpunkt, kurz bevor Hitler 1933 in Deutschland an die Macht kommt, ist Anni 9 Jahre alt.
Es gibt Kuchen, der Vater präsentiert Zaubertricks, man musiziert, singt und tanzt ausgelassen.
Im Folgenden werden parallel zu Annis Geburtstagen die politisch-historischen Entwicklungen der kommenden Jahre in Deutschland präsentiert. 

Was auf den ersten Blick mit der kindlichen Faszination von Anni und Hansi für augenscheinliche Jugendgruppen wie z.B. der Hitlerjugend schleichend beginnt, nimmt bereits nach kurzer Zeit durch gewalttätige Angriffe gegenüber Annis politisch linksorientierten Vater, dem Berufsverbot für den jüdischen Musiklehrer Herrn Liebmann sowie der Razzia der familiären Wohnung an Tempo auf und erreicht einen vorläufigen Höhepunkt in der Verhaftung des Vaters, der sich von Anfang an offen gegen die Politik der Nazis positioniert.
Auch Anni hat sich längst von den Parolen, Idealen und Zwängen der HJ bzw. dem BdM abgewandt und schließt sich einer Gruppe junger Widerständler an, was zum endgültigen Bruch mit ihrem ehemaligen Freund Hansi, der mittlerweile ein treudienender Nationalsozialist ist, führt.
Die wachsende Bedrohung für Anni, ihre Eltern sowie Herrn Liebmann wird durch die eindringliche und emotionale Darstellung der Schauspieler*innen für die Zuschauer*innen im Verlauf des Stückes immer intensiver spürbar. Unterstützt wird die Dramatik des Inhalts durch musikalische Einlagen, anfangs noch mit einem hell klingenden Tenorsaxophon, später mit einem Baritonsaxophon, das durch seinen dunklen, dumpfen Ton die mittlerweile lebensbedrohliche Situation für Anni und ihre Lieben eindringlich unterstreicht und das beklemmende Gefühl für die Zuschauenden immer größer werden lässt.
Als Annis Vater sowie der jüdische Freund letztlich von den Nazis deportiert und getötet werden, geht die Protagonistin endgültig in den Widerstand.
„Es muss doch eine von uns übrig bleiben", sagt Annis Mutter am Ende des Stückes zu ihrer Tochter. Ein Satz, der nachhallt, und zugleich eine Mahnung gegen das Vergessen beinhaltet. #Niewieder

Wir bedanken uns bei dem tollen Ensemble von theaterspiel. Danke, dass ihr uns auf diese beklemmende Reise mitgenommen habt und uns so vor Augen geführt habt, wie wertvoll und schützenswert Demokratie und Freiheit sind. 

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30 Jahre Solingen (Mai/Juni 23)

Als eine von insgesamt nur zwei Dortmunder Schulen wurde das Heisenberg-Gymnasium ausgewählt und eingeladen, am 22. Mai 2023 an der Gedenkveranstaltung  „30 Jahre Solingen - Erinnern für die Zukunft“ im Schauspielhaus Düsseldorf teilzunehmen. 

Zusammen mit Frau Goeken, unserer Regionalbeauftragten für Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage, sowie einer zehnten Klasse der Max-Born-Realschule aus Dortmund-Asseln, hatten wir die Ehre, an der Veranstaltung, die von der Landeszentrale für politische Bildung organisiert und ausgerichtet wurde, teilzunehmen. 

Neben einigen einleitenden Worten des NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst sowie abschließenden Worten der NRW Bildungsministerin Dorothee Feller oder der NRW Familienministerin Josefine Paul, beeindruckte vor allem eine Diskussionsrunde mit der Staatssekretärin Gonca Türkeli-Dehnert, Özlem Genç, der Enkelin von Mevlüde Genç, die 1993 bei dem Brandanschlag von Solingen einen großen Teil ihrer Familie verlor, sowie Gamze Kubaşik, deren Vater Mehmet Kubaşik 2004 in seinem Dortmunder Kiosk von der NSU ermordet wurde. 

Auszüge aus dem Theaterstück „Solingen 1993 - Eine theatrale Busreise in die Vergangenheit“ führten uns anschließend sehr eindrücklich die Geschehnisse in Solingen 1993 noch einmal vor Augen und ließen die Zuschauer*innen auch in die Gefühlswelt der Überlebenden der Familie Genç, die bei dem rassistisch motivierten Brandanschlag 1993 fünf Familienmitglieder verloren haben, eintauchen. 

Auf beeindruckende Weise schafften es die Schauspieler*innen ohne Bühnenbild oder extravagante Kostüme, sondern nur durch das gesprochene Wort, die Zuschauer*innen emotional mitzunehmen und zu berühren. 

In fünf verschiedenen Workshops zu Themen wie z.B. Gedenken gestalten, Beratung und Solidarität oder Rassismus und Bildung wurden die Schüler*innen abschließend aktiv und kamen mit Schüler*innen anderer Schulen ins Gespräch. 

Insgesamt war es eine tolle, interessante und zum Teil sehr bewegende Veranstaltung, die uns allen noch einmal vor Augen geführt hat, wie wichtig es ist, an rassistische Taten wie den Brandanschlag in Solingen oder die NSU-Morde zu erinnern, darüber zu sprechen, nichts in Vergessenheit geraten zu lassen oder als „vergangen“ abzutun.

Danke, dass wir dabei sein durften. 

 

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Biparcours Verleihung (Januar 23)

Seit dem Jahr 2021 hat die Heisenberger SV an dem Projekt „Jüdisches Leben in Dortmund-Eving“, ein digitaler Stadtrundgang mit der App BiParcours, gearbeitet. Dieses Projekt fand am Freitag, den 27.01.2023, in Form einer schulinternen Preisverleihung seinen würdigen Abschluss.

Passenderweise ist heute, am 27. Januar, auch Holocaust-Gedenktag, der Tag, an dem wir den Opfern des Nationalsozialismus gedenken.
Wie man sich auch in Dortmund-Eving 78 Jahre nach dem Holocaust mit den Verbrechen der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg sowie dem Judentum im heutigen Deutschland auseinandersetzen kann, hat die SV, unterstützt durch das Respektbüro und der Koordinierungsstelle Vielfalt, Toleranz und Demokratie, mit der Erstellung des digitalen Stadtrundgangs eindrucksvoll gezeigt.

Im Laufe der Woche, 23.1. bis 27.1.2023, führten fast 80 Schüler*innen der Sekundarstufe I und II den von der SV geplanten und erprobten Rundgang durch. Des Teilnehmer*innen des Rundgangs konnten anhand von Interviews mit John Löwenhardt, dessen Großeltern Opfer der Nationalsozialisten wurden und ihre Wurzeln in Eving haben, Gesprächen mit Julia Rabinovych und Philipp Gusak, zwei ehemaligen jüdischen Heisenberger Schüler*innen, auf den Spuren jüdischen Lebens von früher und heute wandeln. 
Als Anerkennung sponserte die Koordinierungsstelle Vielfalt, Toleranz und Demokratie großzügige Preise.
Wir bedanken uns für eine gelungene Preisverleihung bei Herrn Averhaus (stellvertretender Schulleiter am HeiG), Herrn Kossack und Frau Ullrich (Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie),Herrn Jung (Respektbüro), Julia und Philipp (ehemalige Heisenberger*innen), allen Teilnehmenden und ganz besonders den beteiligten SV-Schüler*innen, die in der letzten Woche viele Schritte und vielfältige Erfahrungen gesammelt haben.

Noch ein Hinweis zum Abschluss: Unser Rundgang ist frei über die kostenfreie BiParcours App verfügbar und kann über den QR-Code abgerufen werden.

Sarah Brähler und Nora Henze für die SV

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